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Presseartikel-Archiv

Ältere Presseberichte aus dem BFW Würzburg

Mit festem Willen
Aufgeben kommt für Volker Mooz nicht in Frage
Badische Kreiszeitung 2005-10-19

Plötzlich fällt Volker Mooz eine Kleinigkeit auf. "Momentle ...", erkennt er seinen kleinen Fehler beim Fotoshooting und geht zwei Schritte zurück. "... mein Platz isch ja jetzt hier". Prompt nimmt er am hinteren Sattel des neu angeschafften Tandems Aufstellung für die Kamera: "Vorne lenkt meine Frau."

Foto der Teilnehmer mit den Kunstobjekten

Nach einer Hüftoperation und einem anschließenden Verschluss des Sehnervs muss der gelernte Mechanikermeister aus Sulzbach an der Murr seit August 2004 mit gerade einmal zwei Prozent seines einstigen Sehvermögens klarkommen. Damit ist er hochgradig sehbehindert, nahezu blind. Ans Aufgeben denkt er nicht. Um möglichst rasch zu seinem angestammten Arbeitgeber zurückzukehren, erlernt er zur Zeit am Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg die Punktschrift. In den letzten zwanzig Jahren fuhr Volker Mooz häufig mit dem Fahrrad durch die grünen Sulzbacher Auen zur Arbeit. Mit der hochgradigen Seheinschränkung geht das nicht mehr. "Tandemfahren macht auch Spaß" freut er sich über die fast gleichwertige Alternative. Selbst das geliebte Bergwandern musste der drahtige Sportler stark einschränken. "Ich habe auf Nordic Walking umgestellt" trotzt Volker Mooz auch hier der plötzlich aufgetretenen Behinderung.

Dass die erste Zeit sehr schwer war, verschweigt er nicht. "Die Familie ist enorm wichtig" gibt er einen vagen Einblick in sein Seelenleben. Seine vierköpfige Familie zieht allerdings voll mit, unterstützt das Familienoberhaupt, wo immer nötig und achtet andererseits auch darauf, den sehbehinderten Vater nicht "mit Samthandschuhen" anzufassen.

"Man muss die Situation akzeptieren, das Beste daraus machen" sagt Volker Mooz, der seine Worte bereits wenige Wochen nach dem Schicksalsschlag in die Tat umsetzt. Noch während eines Rehabilitationsaufenthalts im Schwarzwald nimmt er Kontakt mit Engelbert Lohmann, dem zuständigen Fachberater der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, damals noch LVA genannt, auf. Schon Anfang Dezember 2004 findet dann ein gemeinsames Gespräch mit seinem Arbeitgeber, der HES-Präzisionsteile Hermann Erkert GmbH, statt. Erfreuliches Ergebnis: Trotz der beinahen Blindheit zeichnen sich für den ehemaligen Abteilungsleiter der Werkzeugschärferei vielversprechende berufliche Perspektiven ab. "Damals kamen zwei entscheidende Dinge zusammen" erinnert sich Engelbert Lohmann an die Ausgangslage: "Einerseits der unbedingte Wille von Herrn Mooz, möglichst bald zurück in den Beruf zu gehen, andererseits die sehr kooperative Haltung des Arbeitgebers."

Die hohe Motivation des dreifachen Familienvaters macht es dem Technischen Geschäftsführer des Sulzbacher Traditionsunternehmens, Klaus Schittenhelm, vergleichsweise leicht, eine neue Aufgabe für seinen erfahrenen, nun aber hochgradig sehbehinderten Arbeitnehmer zu finden. "Auf das langjährige Know-how von Herrn Mooz möchten wir auch in Zukunft nicht verzichten" betont Klaus Schittenhelm, der plant, den 47-Jährigen künftig mit der Warenannahme und der Werkzeugausgabe des Automobilzulieferers zu betrauen.

Bis es soweit ist, wird Volker Mooz im BFW Würzburg "fit" für seinen neuen Arbeitsplatz gemacht. Die blindentechnische Grundrehabilitation in dem Veitshöchheimer Bildungszentrum, das sich auf die berufliche Wiedereingliederung Blinder und Sehbehinderter spezialisiert hat, wird rund zwölf Monate dauern. Eine Zeit, in der der gebürtige Württemberger die Punktschrift erlernen wird, EDV-Training erhält und im Rahmen von Praktika mit seinem neuen Arbeitsplatz vertraut gemacht wird. Zudem auch eine Zeit, in der er seine Familie nur alle vierzehn Tage am Wochenende sehen kann.

"Ich bin sicher, dass es Herrn Mooz bei uns in Veitshöchheim gefällt" zeigt sich Simone Schubert, Fachkraft für Sehhilfenerprobung am BFW Würzburg, optimistisch. Sie betreute Volker Mooz bereits während einer zweiwöchigen Abklärung des Anforderungsprofils im BFW. Darüber hinaus nahm sie auch den zukünftigen Arbeitsplatz von Volker Mooz in Augenschein, um eine sinnvolle Ausstattung wie Bildschirmlesegerät oder Computerbraillezeile zu empfehlen. "Zuhause ist ein sehbehinderter oder blinder Mensch ein Einzelfall, hier im BFW Würzburg ist er einer von vielen" erläutert sie die wichtige zwischenmenschliche Funktion der Spezialeinrichtung: "Den BFW-Teilnehmern tut es gut, sich mit anderen Betroffenen über ihre Sehbehinderung auszutauschen und festzustellen "Ich bin nicht der Einzige"."

Volker Mooz kann fürs Erste zufrieden sein. Durch sein schnelles Handeln, seinen unermüdlichen Optimismus und das nahtlose Zusammenspiel von Deutscher Rentenversicherung Baden-Würrtemberg, Arbeitgeber und BFW Würzburg hat er sich sehr gute berufliche Perspektiven verschafft. Privat stellt ihm seine Frau Barbara, die als Kinderkrankenschwester tätig ist, ein gutes Zeugnis aus. "Volker hat den Haushalt - Sehbehinderung hin oder her - in den letzten Monaten praktisch alleine geschmissen" erzählt sie anerkennend. Auch der Moozsche Tierpark mit zwei Hunden, zwei Laufenten und 21 Hühnern wurde deswegen nicht verkleinert. Lob gibt´s abschließend aber auch von Volker Mooz: "Dass meine Familie und mein Arbeitgeber so massiv hinter mir stehen, ist alles andere als selbstverständlich. Das macht mir Mut für die Zukunft." Spricht´s, setzt sich auf sein Tandem und radelt mit seiner Frau durch die herrliche Sulzbacher Landschaft davon....



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