Sprungnavigation
Von hier aus können Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Herzlich willkommen im Berufsförderungswerk Würzburg

Presseartikel-Archiv

Ältere Presseberichte aus dem BFW Würzburg

Die Dunkelheit gemeistert
Mit der Braille-Zeile erfolgreich in der Textverarbeitung
Positionen & Profile 04/2005

Eine schwere Krankheit nahm Birgitta Grun das Augenlicht. Im BFW Würzburg lernte die alleinerziehende Mutter nicht nur, ihren Alltag wieder selbstständig zu meistern, sondern fand als Fachkraft für Textverarbeitung auch zurück in das Berufsleben.

Foto Birgitta Grun

Den ersten Krankheitsschub bekam Birgitta Grun, als sie gerade 14 Jahre alt war: Ohne ersichtlichen Grund entzündete sich die Hornhaut ihrer Augen. Von diesem Zeitpunkt an wurden diese äußerst schmerzhaften Anfälle - laut Vermutung der Ärzte eine fehlgeleitete Immunreaktion ihres Körpers - zum ständigen Begleiter der jungen Frau. Das Schlimmste: Nach jedem Entzündungsschub verschlechterte sich ihr Sehvermögen. Dann, vor einigen Jahren der traurige Höhepunkt: Nach einem schweren Schub blieben der inzwischen allein erziehenden Mutter eines Sohnes nur noch zwei Prozent ihres Augenlichts. Birgitta Grun war blind.

"Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich in der Registratur des Landratsamts Rosenheim. Das heißt, meine Arbeit hatte fast nur mit Lesen zu tun", erzählt die heute Vierzigjährige. "Zu den vielschichtigen Problemen, die ich plötzlich in meinem Alltag bewältigen musste, kam also auch das berufliche Aus." Doch mit der Arbeitslosigkeit wollte sich Birgitta Grun nicht abfinden. Über den Blindenbund und die Bundesagentur für Arbeit kam sie zum Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg, das sich auf die berufliche Rehabilitation von erwachsenen Blinden und Sehbehinderten spezialisiert hat. "Zunächst durchlief ich eine zweiwöchige Berufsfindung und Arbeitserprobung", berichtet die Rehabilitandin. "Ich hätte gerne etwas im gesundheitlichen Bereich gemacht, doch mit Blick auf den Arbeitsmarkt haben mir die Experten vom BFW zu einer Ausbildung zur Fachkraft Textverarbeitung geraten."

Hilfe zur Selbsthilfe

Für zwei Jahre zog die gebürtige Rosenheimerin in das Internat des BFW. Während der Ausbildung lernte sie auch das nötige Rüstzeug für das Leben mit der Behinderung - unter anderem die Punktschrift, nach ihrem Entwickler auch Brailleschrift genannt. "So schwer ist das gar nicht", erklärt Birgitta Grun. "Es ist, als würde man Vokabeln für eine Fremdsprache lernen." Die Arbeit am Computer ist für sie durch eine spezielle Braille-Zeile unterhalb der normalen Tastatur möglich, mit deren Hilfe sie das Geschriebene überprüfen und den Rechner navigieren kann.

Sehr wichtig waren für die Umschülerin die Kontakte zu anderen BFW-Teilnehmern, die sich in einer ähnlichen Situation befanden wie sie. "Es haben sich sehr schöne Freundschaften entwickelt, die auch heute noch bestehen", freut sich Birgitta Grun.

Eines unterstreicht die Rehabilitandin besonders: Das BFW sei keine "Full-Service-Agentur". "Das Berufsförderungswerk fördert - fordert aber auch", betont sie. "Ich habe mir viele Kontakte in Eigenregie gesucht und Vorstellungsgespräche selbst verabredet. Der Arbeitsmarktservice des BFW unterstützte mich dabei jedoch tatkräftig - so hat mein Betreuer Bernd Hefner den potenziellen Arbeitgebern in langen Gesprächen ihre Bedenken genommen. Auch die Braille-Zeile an meinem jetzigen Arbeitsplatz wurde vom BFW gestellt." Heute ist Birgitta Grun als Schreibkraft im Amtsgericht Rosenheim tätig, wo sie während der Ausbildung auch ihr Praktikum absolviert hat. "Das BFW Würzburg hat mich sehr gut auf den neuen Job vorbereitet...", resümiert die Rehabilitandin. "Aber das Wichtigste, das ich dort gelernt habe, ist, dass meine Sehbehinderung nicht das Ende meiner Selbstständigkeit bedeutet."



zurück zur Übersicht Rückblick-Archiv