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Presseartikel-Archiv

Ältere Presseberichte aus dem BFW Würzburg

Sehbehinderung und Beruf
RehaAssessment am BFW Würzburg
MAIN-POST 2005-12-21

Die 28 Berufsförderungswerke in Deutschland haben das Ziel, erwachsenen Menschen mit Behinderung die berufliche Wiedereingliederung zu ermöglichen. Das Berufsforderungswerk (BFW) Würzburg mit Sitz in Veitshöchheim ist eines von bundesweit drei Kompetenzzentren für die berufliche Bildung von erwachsenen blinden und sehbehinderten Menschen. Der Großteil der Teilnehmer des BFW Würzburg war berufstätig, kann jedoch aufgrund einer plötzlichen Beeinträchtigung des Augenlichts (Erkrankung oder Unfall) die bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben.

Foto aus der Sehhilfenerprobung

Ziel des BFW Würzburg ist die nahtlose Wiedereingliederung der Teilnehmer in das berufliche und gesellschaftliche Leben. Individuelle Beratungsangebote und optimal auf blinde und sehbehinderte Erwachsene abgestimmte Qualifizierungsmaßnahmen machen das BFW Würzburg zu einer der bundesweit führenden Einrichtung in diesem Bereich. Als gemeinnütziges soziales Dienstleistungsunternehmen liegt das Hauptaugenmerk des BFW Würzburg auf einer innovativen, bedarfsorientierten und flexiblen Leistungspalette. Diese besteht aus den Bereichen Prävention, RehaAssessmcnt, Qualifizierung (insbesondere zukunftsorientierte Umschulung sowie Fort- und Weiterbildung), berufliche Integration und Nachsorge.

Parallel zur beruflichen Neuorientierung bietet das BFW Würzburg Trainingsmaßnahmen zur Wiederherstellung der persönlichen Selbstständigkeit und zum Erhalt des Arbeitsplatzes an

Was versteht man unter dem Begriff RehaAssessment?

Rehaassessment ist ein von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke entwickeltes Beurteilungssystem, das bundesweit einheitlich auf modularer Basis angeboten wird. Mit dem System werden objektivierbare Fähigkeiten eines Menschen in Bezug auf den Arbeitsplatz oder einen bestimmten Beruf beschrieben. Somit wird eine Verknüpfung persönlicher Neigungen und vorhandener Fähigkeiten mit den Anforderungen eines Arbeitsplatzes oder Berufs verwirklicht.

RehaAssessment wurde für Arbeitnehmer entwickelt, deren Arbeitsplatz aufgrund einer Behinderung gefährdet ist oder die sich aus dem gleichen Grund beruflich umorientieren. Die Berufsförderungswerke erarbeiten Lösungen zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsverhältmsscs oder zeigen berufliche Altenativen auf. Die Möglichkeiten reichen von einer bestimmten Arbeitsplatzausstattung bis hin zu mehrjährigen Umschulungsmaßnahmen. Was konkret erforderlich ist, wird im RehaAssessment abgeklärt.

RehaAssessment für Sehbehinderte und Blinde in der Praxis

Anja Müller (Name geändert) ist 46 Jahre alt und arbeitet seit über 25 Jahren als Verwaltungsfachangestellte. Aufgrund einer Erkrankung ist sie auf dem rechten Auge komplett erblindet, das Restsehvermögcn auf dem linken Auge beträgt derzeit 20 Prozent. Von ihrem Rentenversicherungsträger wurde sie im BFW Würzburg zu einer Sehhilfenerprobung angemeldet. Auf Initiative ihres Augenoptikers setzte sich Frau Müller mit ihrem Rentenversicherungstrager in Verbindung, um mit Unterstützung der Spezialisten des BPW Würzburg eine Überprüfung und Verbesserung ihres Arbeitsplatzes zu erreichen. Vorrangiges Ziel des BFW ist es nun, den Arbeitsplatz von Frau Müller mit maßgeschneiderten Hilfsmitteln auszustatten und dadurch das Arbeitsverhältnis von Frau Müller langfristig zu erhalten. Die Erprobungsmaßnahme wurde insbesondere erforderlich, da das Aufgabengebiet von Frau Müller in Kürze erweitert wird und sie somit auf weitere individuelle Hilfsmittel angewiesen ist.

Schritt für Schritt zum Ziel

Der erste und wichtigste Schritt ist die genaue Analyse des aktuellen Arbeitsplatzes, der derzeit und künftig anfallenden Tätigkeiten, der mit eingeschränktem Augenlicht problematischen Arbeiten und der Abgleich mit der bereits vorhandenen Ausstattung. Frau Müller ist aufgrund ihrer spezifischen Augenerkrankung sehr lichtempfindlich. Im Arbeitsalltag muss sie viel am PC arbeiten sowie regelmäßig Formulare und Antrage lesen. Täglich hat sie regen Kundenverkehr zu bewältigen und nimmt an Sitzungen und Besprechungen teil.

Die eigentliche Erprobung des BFW Würzburg beginnt mit der Überprüfung der vorhandenen Hilfsmittel. Frau Müller verfügt über eine Fernbrille und eine Lesebrille mit erhöhter Addition. Beide Brillen trägt sie ohne Tönung. In der nächsten Stufe wird nun Frau Müllers Arbeitsalltag am PC simuliert. Es stellt sich schnell heraus, dass Frau Müller am Bildchirm mit der Fernbrille nicht optimal versorgt ist. Die notwendige Akkomodation führt nach wenigen Stunden zu Anstengungsbeschwerden. Also wird eine Arbeitsbrille mit Einstellung auf 50 cm in einer Probierbrille zusammengesteckt und am Bildschirm erprobt. Erfreuliches Ergebnis: Das Sehen gestaltet sich so für Frau Müller erheblich entspannter.

Von wesentlicher Bedeutung ist auch die Wahl des richtigen Monitors. Der größte Bildschirm ist nicht notwendigerweise immer der Beste. Im Fall von Frau Müller erweist sich ein 20-Zoll-TFT-Bildschirm als die ideale Lösung. Allerdings hat sie weiterhin Probleme durch Blendung. Da Frau Müller in einem Großraumbüro mit Kundenverkehr arbeitet, ist eine Abdunklung des Arbeitsplatzes nicht Möglich. Entsprechend werden nun verschiedene Tönungen erprobt und schließlich ein spezieller Kantenfilter empfohlen. Für das Lesen der Formulare und Anträge werden verschiedene Lesegeräte mit Splitscreenmodus erprobt. An ihrem Simulationsarbeitsplatz im BFW Würzburg kann Frau Müller mit diesr Vollausstattung den ganzen Tag beschwerdefrei arbeiten. Auch über den gesamten Erprobungszeitraum ergeben sich in den nächsten Tagen keine Einschränkungen.

Ein konkretes Problem ist gemeinsam mit Frau Müller noch zu lösen: In den Sitzungen, an denen sie täglich teilnehmen muss, werden häufig Berichte ausgegeben, die dann gelesen und im Detail besprochen werden. Hierfür erprobt Frau Müller verschiedene Lupentypen. Sie entscheidet sich für eine LED-Leuchtlupe, mit der sie die besten Ergebnisse erzielt.

Empfehlung an den Kostenträger

Nachdem nun die maßgeschneiderte individuelle Ausstattung gefunden und erprobt ist, schreibt das BFW einen ausführlichen Bericht an Frau Müllers Kostenträger. Aufgabe des BFW Würzburg ist es an dieser Stelle, Kostenvoranschläge über die Hilfsmittel an den Kostenträger weiterzugeben und die schnellstmögliche Versorgung zu begleiten. Häufig finden Besuche und Teststellungen der gefundenen und erprobten Hilfsmittel am Arbeitsplatz statt. Die Versorgung mit optischen Hilfsmitteln erfolgt dann nach der Genehmigung des Kostenträgers durch den jeweiligen Augenoptiker vor Ort. Die benötigten, elektronischen Hilfsmittel werden bei den entsprechenden Herstellern bestellt.

RehaAssessment: Betreuung von A bis Z

Die Hilfsmittelerprobung ist eine sehr beratungsintensive Serviceleistung des BFW Würzburg. Jeder Kunde hat andere spezifische Probleme, jeder Einzelne ein Recht auf individuelle Betreuung und optimale Lösungsvorschläge. Die Erprobung in einem Berufsförderungswerk ergänzt die Leistungspalette des Optikers in optimaler Art und Weise. Der Vorteil für den Betroffenen liegt vor allem in dem Erprobungszeitraum von mehreren Tagen, der im BFW für die intensive Erprobung zur Verfügung steht. Ferner besteht die Möglichkeit, die Hilfsmittel entsprechend praxisnah zu testen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Hilfsmittel-Versorgung vom Kostenvoranschlag bis zur Umsetzung am Arbeitsplatz von den Fachleuten des BFW betreut wird. Auch für den beteiligten Optiker ist das Einbeziehen eines spezialisierten Berufsförderungswerkes mit Nutzen verbunden: Die Versorgung mit optischen Hilfsmitteln bleibt nach wie vor in der Hand des Augenoptikers, mit dem die Berufsförderungswerke nicht konkurrieren, sondern kooperieren.

Übrigens: Anja Müller ist vor Ort inzwischen mit allen notwendigen Hilfsmitteln versorgt und geht ihrer Arbeit wieder mit großem Engagement nach. "Dank der guten Zusammenarbeit von Optiker, BFW und Kostenträger kann ich meine Tätigkeit nun trotz Sehbeeinträchtigung weiter in vollem Umfang ausüben", freut sich die Verwaltungsfachangestellte über die unbürokratische Unterstützung.



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