Sprungnavigation
Von hier aus können Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Herzlich willkommen im Berufsförderungswerk Würzburg

Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

Erstmalig sehbehinderte Praktikantin bei der Philip Morris GmbH
Das Ziel heißt Gleichberechtigung
Philip Morris GmbH PM, Juni2007

Ein Telefonanruf in der Abteilung Field Support der Philip Morris GmbH in München: «Fuchs», meldet sich eine freundliche Stimme. «Können Sie bitte schnell nachlesen, was wir im Protokoll auf Seite 2 geschrieben haben», bittet die Stimme am anderen Ende der Leitung. Eine Sekunde des Zögerns, dann antwortet Frau Fuchs: « Sehr gern, geben Sie mir einen Augenblick Zeit.»

Foto Heidrun Fuchs

Mal eben schnell lesen, kann Heidrun Fuchs nicht. Die 41-jährige Frau ist beinahe blind, ihre Sehkraft beträgt nur noch drei bis fünf Prozent. Seit Februar dieses Jahres unterstützt Heidrun Fuchs als sehbehinderte Praktikantin die Abteilung Field Support in beinahe allen anfallenden Büroarbeiten. Im Unternehmen ist es das erste Projekt dieser Art, das in Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte und der Betriebsärztin, Dr. Irmgard Greis, sowie Kristian Grube, Manager Trade Marketing, auf die Beine gestellt wurde.

Vorbereitungen werden getroffen

Schon im Vorfeld bereitete man sich ausführlich auf das Kommen der neuen Kollegin vor. Ein neuer PC-Platz mit einem großen 24- Zoll Flachbildschirm wurde aufgestellt, eine spezielle Software zum Vergrößern der Dokumente auf dem Rechner installiert. Während einer Informationsveranstaltung des Berufsförderungswerks wurde der Bereich Trade Marketing über den Umgang mit sehbehinderten Menschen aufgeklärt. Dabei hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit eine Plastikbrille aufzusetzen, die nur eine 5-prozentige Sehkraft zulässt. Für einen Augenblick spürte jeder, was es heißt, mit den Augen von Frau Fuchs zu sehen.

Heidrun Fuchs traf ihr Schicksal wie ein Donnerschlag. «Vor zwei Jahren wachte ich eines Morgen auf und konnte kaum noch etwas sehen », erzählt sie. Es folgte eine Zeit zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Resignation. Am Ende einer Ärzteodyssee dann die niederschmetternde Diagnose: Makuladegeneration, eine unheilbare Augenerkrankung des Sehzentrums. « Ich erkenne Menschen nur noch an der Stimme oder ihrer Gestik, die optische Welt ist seitdem Grau für mich». Sie verlor ihren langjährigen Job als Einkaufs- und Verkaufssubstitutin. Berufliche Perspektiven schienen sich in Luft aufgelöst zu haben « Mein Lebensplan war weg, da musste ich Plan B entwerfen», sagt sie heute.

Mitleid ist würdelos

In ganz Deutschland machte sie sich auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe, nach Menschen, denen ähnliches passiert ist, die auch ganz plötzlich aus der Mitte ihres Lebens gerissen wurden. Endlich traf sie auf das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte. Heidrun Fuchs fand Hilfe. Kurze Zeit später saß sie im Zug nach Würzburg, um an einer 14-tägigen Arbeits – und Hilfsmittelerprobung teilzunehmen. «Ich kam das erste Mal in meinem Leben mit einem PC in Berührung», erzählt sie. Es folgte ein viermonatiger Crash-Kurs in München. Seit sechs Monaten bedient Heidrun Fuchs einen PC wie jeder andere. «Ich habe die meisten `Klicks` auswendig gelernt», erklärt sie. Nur ihr Arbeitsplatz unterscheidet sich ein wenig. Der Bildschirm und die Tastatur sind wesentlich größer. An den PC ist ein Lesegerät angeschlossen. In der Abteilung Field Support erlebt Heidrun Fuchs jetzt einen achtstündigen Office-Alltag und die Arbeit im Team gefällt ihr sehr gut. Sie stellt sich dieser Herausforderung mit all ihren Aufgaben. Auch die anfänglichen Schwierigkeiten, wie zum Beispiel den Weg vom Empfang in ihr Büro zu finden, hat sie mit Hilfe ihrer Kollegen ganz schnell überwunden. «Jederzeit war einer der Kollegen bereit mir zu helfen» Diese Art der Hilfestellung nimmt Heidrun Fuchs sehr gern an: «Es geht darum, in eigentlich selbstverständlichen Dingen des Alltags, ein wenig umzudenken»! Mitleid empfindet sie als würdelos. ?



zurück zur Übersicht Pressemeldungen