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Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

Keine Popcorntüte raschelt
Bei "Blindsight" besuchen Sehbehinderte das Kino
MAIN-POST 2008-01-26

Saal 4 im Cineworld im Mainfrankenpark: Es ist mucksmäuschenstill. Stiller als gewöhnlich in einem Kinosaal. Keine Popcorntüte raschelt, keine Nachos knistern. Wahrscheinlich liegt es am ungewöhnlichen Publikum. Die Besucher des Films „Blindsight“ von Lucy Walker sind nämlich blind.

 Foto Kinobesucher

Sie kommen aus der Blindeninstitutsstiftung in Würzburg und aus dem Berufsförderungswerk in Veitshöchheim. Während in Würzburg hauptsächlich Kinder und Jugendliche betreut werden, werden in Veitshöchheim Erwachsene, die nicht von Geburt an blind sind beruflich und sozial betreut.

Damit der Film für seine besonderen Besucher verständlich wird, wird er im Audiodeskriptionsverfahren ausgestrahlt, das heißt, es werden zusätzliche Information gegeben. Bilder, die auf einen sehenden Besucher einwirken, müssen für einen Nicht-Sehenden erklärt werden. Ein Sonnenuntergang, die grandiose Bergkulisse, aber auch der Gesichtsausdruck der Akteure.

Aber nicht nur deshalb ist es so still im Kinosaal. Es ist auch das Schicksal der blinden Kinder aus Tibet, die einen verstummen lassen. Verflucht sind sie, werden beschimpft und für unnütz gehalten – nur weil sie blind sind. Sie müssen in einem früheren Leben etwas Fürchterliches getan haben, dass sie so bestraft wurden. Das ist im Land Tibet, dem „Dach der Welt“, die gängige Meinung.

Ein Junge ist überzeugt, er könne in einem anderen Leben keinen Menschen getötet haben, das halte er für das Schlimmste aller Verbrechen. Ein anderer Junge wurde von seinen Eltern an ein chinesisches Ehepaar verkauft, von diesem zum Betteln gezwungen und auch schwer misshandelt. Einen Beruf können diese Kinder sowieso nicht erlernen, sie sind unnütz, können nichts.

Mit diesem Vorurteil will die deutsche, ebenfalls blinde Lehrerin Sabriye Tenberken aufräumen. Mit sechs Kindern aus der von ihr gegründeten Blindenschule und dem ebenfalls blinden Bergsteiger Erik Weihenmayer aus den USA will sie den Lhakpa Ri, einen Berg in unmittelbarer Nachbarschaft des Mount Everest besteigen. Dadurch sollen die Kinder und ihr Umfeld merken, dass sie alles schaffen können, was sie nur wollen.

Auch wenn die Erkenntnis am Ende vom ursprünglichen Ziel abweicht, stellt sich doch die Frage, ob dazu die Besteigung eines Berges mit relativ untrainierten Kindern nötig ist. So fanden die Besucher den Film am Ende zwar gut, aber auf ein derartiges Abenteuer wollte sich keiner der Befragten einlassen.



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