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Herzlich willkommen im Berufsförderungswerk Würzburg

Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

Motivation und Aufklärungsarbeit als Schlüssel zum Job
Für BBWs und BFWs stehen die Vermittlungschancen im Fokus
REHAVISION Sommer 2008

Veitshöchheim. - Sucht man aussagekräftige Zahlen im Internet, wird einem ganz anders: „72 Prozent der blinden Menschen im berufsfähigen Alter sind arbeitslos“ heißt es da. An anderer Stelle steht: „Nur knapp 4 Prozent blinder und sehbehinderter Akademiker haben eine Arbeit“. Oder: „Betroffenen werden immer seltener berufliche Rehabilitationsmaßnahmen finanziert, stattdessen werden nur zeitlich sehr begrenzte Maßnahmen gefördert, die keine langfristige Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen“. Letztes Beispiel: „Die geringe Anzahl von möglichen Berufen für blinde und sehbehinderte Menschen hat sich in den letzten Jahren nur unwesentlich verändert“. Harte Zeiten für Blinde und Sehbehinderte, die auf Jobsuche sind.

Foto der drei blinden bzw. sehbehinderten SSI-Mitarbeiter mit Ramona Vian und Elsbeth Hamberger

Die bundesweit drei Berufsbildungswerke (BBW) und drei Berufsförderungswerke (BFW) für Blinde und Sehbehinderte kennen diese Herausforderung aus ihrer täglichen Arbeit. Während BBWs Jugendliche ausbilden, arbeiten die BFWs in Düren, Halle und Würzburg mit Erwachsenen. Aufgabe der drei BFWs ist es, Menschen, die ihren Beruf aufgrund ihrer Sehbehinderung nicht mehr weiter ausüben können, wieder beruflich zu integrieren. Die Erfahrung der Einrichtungen zeigt, dass blinde und sehbehinderte Absolventen vor allem dann gute berufliche Chancen haben, wenn Sie - entsprechende Qualifikation vorausgesetzt - flexibler, mobiler und kompromissbereiter als ihre nichtbehinderten Mitbewerber sind. Oder einfach besser.

Leistung zählt oft, aber nicht immer

Doch selbst Noten und Können sind beim Bewerben manchmal nicht ausschlaggebend. „’Was kann er denn?’ ist eine Frage, die oft uns statt dem blinden Bewerber gestellt wird“, berichten die Mitarbeiter des Arbeitsmarktservice (AMS) am BFW Würzburg, wenn sie BFW-Absolventen ab und an zum Vorstellungsgespräch begleiten. Elsbeth Hamberger, Bruno Kuhn und Sabine Zürn vom AMS erläutern dem Personaler dann, dass der Bewerber zwar schlecht oder nichts sieht, aber gut hören und sogar sprechen (!) kann. Insofern könne er diese Frage selbst am besten beantworten.

Das es auch anders geht, beweist das Beispiel von SSI Schäfer Noell im fränkischen Giebelstadt. Das international agierende Unternehmen für komplexe Logistiksysteme geht unvoreingenommen auf behinderte Bewerber zu. Mehr noch: „Wir haben mit den blinden und sehbehinderten BFW-Absolventen beste Erfahrungen gemacht“, macht SSI-Personalchefin Ramona Vian klar. Drei blinde oder sehbehinderte BFW-Teilnehmer wurden in den letzten Monaten integriert. „Nicht aus Barmherzigkeit“, betont Vian, „sondern aus Überzeugung!“.

Motivation als Grundvoraussetzung

Um als Blinder oder Sehbehinderter wieder beruflich Fuß fassen zu können, müssen - neben entsprechender Arbeitsmarktlage - vorwiegend drei Faktoren zusammen kommen. „Grundvoraussetzung ist eine hohe Motivation und eine positive Grundeinstellung der Betroffenen“, weiß Alfred Schulz, Geschäftsführer des BFW Würzburg.

Beruf muss passen

Zweiter wesentlicher Faktor ist die richtige Qualifizierung. „Wir stimmen zusammen mit jedem BFW-Teilnehmer genau ab, welches Ausbildungsangebot zu dessen individuellen Neigungen und Fähigkeiten passt“, erläutert Alfred Schulz. Der Wahl der optimalen Berufsausbildung gehen mehrwöchige Tests und Erprobungen im Bereich Assessment voraus. Die Zeiten, als man als Betroffener lediglich aus den drei Berufen Besenbinder, Masseur oder Telefonist wählen konnte, sind erfreulicherweise vorbei. Das Berufespektrum für Blinde und Sehbehinderte hat sich mit der Einführung der Braillezeile in den letzten Jahrzehnten enorm erweitert. Und wird sich in Zukunft weiter verbreitern. Alleine am BFW Würzburg stehen heute rund 20 verschiedene Berufe zur Wahl, fast jedes Jahr kommen neue Zweige hinzu. Im Fokus stehen dabei die Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt. Zuletzt wurde die Servicefachkraft im Dialogmarketing, ein zukunftsorienterter Telekommunikationsberuf mit weitreichenden Marketingkenntnissen, eingeführt. In diesem Jahr folgte die Integrationsmaßnahme für blinde und sehbehinderte Akademiker (IBS Akademiker), die in Zusammenarbeit mit dem DVBS angeboten wird. Ganz neu ist auch das Berufsbild der Medizinischen Tastuntersucherin (MTU) zur Brustkrebs-Früherkennung, die in einem Pilotprojekt am BFW Düren angeboten wird. Es tut sich also einiges...

Hemmschwellen abbauen

Der dritte wichtige Punkt auf dem Weg zum Job ist bereits oben angesprochen: permanente Aufklärungsarbeit bei Arbeitgebern. Noch immer sind jede Menge Gespräche nötig, um Personaler von ihrer Unsicherheit und ihren Vorbehalten gegenüber behinderten Bewerbern zu befreien. Gegenüber blinden Menschen ist die Unsicherheit besonders groß. Die Medienkampagne des Netzwerkes Berufliche Teilhabe (NBT) und die gemeinsame Homepage www.ihre-einstellung.de sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht gelingt es, dass es beim Bewerbungsgespräch mit Blinden und Sehbehinderten irgendwann nicht mehr heisst: „Wie arbeiten Sie als Blinder eigentlich am PC....?“



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