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Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

Wenn der Rasselball nicht ins Tor will
Würzburger Blinden-Fußballer Siebte bei deutscher Meisterschaft
MAIN-POST 2007-05-30

Die weite Reise ins schleswig-holsteinische Neumünster hatte sich gelohnt, auch wenn sportlich die Konkurrenz besser abschnitt. Bei der ersten deutschen Meisterschaft im Blinden-Fußball ging der Pokal nach Marburg, für die Aktiven des Berufsbildungswerkes und Versehrtensportvereines Würzburg reichte es zum siebten Platz.

Foto der Fuballmannschaft

Bei den Würzburger Kickern sah man keine traurigen Gesichter, war es doch ihr erstes sportliches Kräftemessen. Gegen den späteren Finalisten Mainz gab es ein 0:1, gegen den FC St. Pauli ein 0:0 in der Vorrunde – damit wurde man Gruppendritter und spielte um die Plätze sieben bis neun. Dabei trennten sich die Würzburger noch zweimal 0:0 gegen Berlin und Chemnitz. Da die beiden Kontrahenten in ihren Vorrundenspielen aber höhere Niederlagen kassiert hatten, sorgte das Torverhältnis für den siebten Rang.

Seit Mitte September 2006 wird in Würzburg überhaupt erst Blindenfußball gespielt. Die Idee brachte Ansgar Lipecki von einem Workshop aus Berlin mit. Dieser lief im Beiprogramm zur WM 2006. Bis dato wohnten die Sehbehinderten zwar in Fußballarenen via Audiokommentierung Bundesligaspielen bei, doch über die Fan-Rolle hinaus war man höchstens bei den auf Blinde zugeschnittenen Hallenspielen wie Torball oder Goalball aktiv. Um das zu ändern, wurden zu einem Schauturnier Teams aus Brasilien, England und Spanien eingeladen. Der Funke zündete – auch in Würzburg!

Dort trifft man sich inzwischen ein-, zweimal die Woche zum Hallenkick mit dem speziellen Rasselball. Das Regelwerk ist auf das Handicap der Protagonisten zugeschnitten. Das Spielfeld ist kleiner, entsprechend gehören dazu Handballtore. Auf der Spielfläche stehen vier Blinde oder Sehbehinderte mit einer Augenbinde, dazu gehört ein sehender Mitspieler im Tor, der seine Abwehr dirigiert. Auf Höhe der Mittellinie darf ein Guide die Spieler mit Zurufen ebenso lenken wie ein weiterer Coach direkt hinter dem gegnerischen Tor. Mit ausgeprägtem Gehör und Orientierungssinn lauscht man dem Rasselball und den Anweisungen, dazu rufen sich die Spieler immer ein „Voi“ zu, wenn sie sich in Richtung Ball bewegen, um Zweikämpfe anzukündigen und vor Zusammenstößen zu warnen, die sich trotzdem nicht vermeiden lassen. Dennoch geht es überaus fair zu.

Die Würzburger wollen wie in Neumünster gerne auch einmal unter freiem Himmel spielen. Dazu benötigen sie eine Bande von 42 Metern auf beiden Seiten – eine Anschaffung, die sie sich zurzeit nicht leisten können. Da auf der Bande reichlich Werbefläche zur Verfügung steht, hofft BFW-Sportlehrerin Martina Junker auf Sponsoren – wie auch auf weitere Mitspieler, Alter und Geschlecht egal. Zurzeit wird in Deutschland ein Trainer gesucht, der ein Nationalteam auf die Beine stellt. Das wäre der große Traum für Torwart Ansgar Lipecki und seine Mannen: einmal mit dem Bundesadler auf dem Trikot aufzulaufen.

Zunächst möchte man das erste Tor erzielen. Beim nächsten Übungsabend mit Martina Junker steht daher Torschuss-Training an . . .



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