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Berichte aus dem BFW Würzburg

Online schneller zurück in den Job
Monika Weigand unterstützt blinde und sehbehinderte Absolventen
MAIN-POST 2010-01-25

2.40 Uhr in der Früh. Deutschland schläft. Doch die Veitshöchheimerin Monika Weigand ist online. Auch zu nächtlicher Stunde versorgt die Gymnasiallehrerin blinde und sehbehinderte Internet-Nutzer mit Lernstoff. Weigand tut das im Rahmen ihres Projektes BFW online, dem sie sich mit Leib und Seele verschrieben hat.

Foto Monika Weigand

Foto Hände auf einer Braillezeile

Mehr als 20 Kurse, von Office-Anwendungen bis zu Programmiersprachen und Wirtschaftsthemen, haben Weigand und ihre Online-Kollegen des Berufsförderungswerks Würzburg (BFW) entwickelt. Monatlich kommen neue Angebote für die 240 Absolventen der in Veitshöchheim ansässigen Bildungsstätte für blinde und sehbehinderte Erwachsene hinzu. Das BFW möchte diese Menschen wieder in Lohn und Brot bringen. Auch über barrierefreie eLearning-Kurse.

Aber was heißt das eigentlich – barrierefrei? Wohl kaum ein Sehender kann sich vorstellen, wie Blinde und Sehbehinderte einen Text im Internet „lesen“. Oder gar eine Grafik oder ein Foto erkennen.

„Dafür gibt es seit 25 Jahren die Braille-Zeile“, sagt Marcus Meier, Sprecher des BFW. Diese 15 000 Euro teure Vorrichtung klemmt unterhalb der normalen Tastatur und hat an der Oberfläche bewegliche Stifte. Der Blinde oder Sehbehinderte fühlt mit dem Zeigefinger ihre Bewegungen und übersetzt sie in Informationen.

Monika Weigands Aufgabe ist nun, die eLearning-Inhalte für die Braille-Zeile aufzubereiten. Fotos, die ja für ihre Zielgruppe nicht oder kaum lesbar sind, werden in eine Art Bildunterzeile übersetzt, die das Abgebildete beschreibt. Der Kursteilnehmer kann sie dann an seiner Braille-Tastatur eins zu eins abrufen.

Auch achtet Weigand darauf, dass wenig Grafiken eingesetzt werden. Und wenn sie schon sein müssen, dann behindertengerecht.

„Die Online-Zertifikate eröffnen unseren arbeitssuchenden Absolventen im Vergleich zu sehenden Bewerbern einen kleinen, aber manchmal entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, weiß die 54-Jährige. Sie trägt ihren Teil dazu bei, dass mehr als 70 Prozent der BFW-Absolventen wieder eine Arbeitsstelle finden.

Doch auch die unmittelbaren Rückmeldungen sind Weigand wichtig. Eine davon gibt Thomas Horn, der einen Excel-Kurs absolviert hat. „Die Inhalte sind für uns Blinde sehr gut zu lesen und zu bearbeiten. BFW online hat mir gezeigt, dass vieles nicht dem Augenlicht, sondern mit dem Denkvermögen zusammenhängt“, urteilt der Fachinformatiker.

Ähnlich äußert sich Annette Bleifuß über den Word-Kurs Serienbriefe: „Mit eLearning kann ich bei freier Zeiteinteilung Lerninhalte langsam und gründlich aufarbeiten.“ Die erworbenen Zertifikate würden sich gut in ihrer Bewerbung machen.

Erworben hat Monika Weigand ihren Abschluss als zertifizierter Telecoach in einem Master-Studiengang an der Uni Rostock. Thema ihrer Arbeit war genau die Konzeption eines barrierefreie eLearning-Angebots für erwachsene Blinde und Sehbehinderte, die sie jetzt anwendet. Die Arbeit erhielt die Traumnote 1,0.

Zur Zeit ist die Veitshöchheimerin übrigens weniger im Internet. Gemeinsam mit BFW-Programmierer Ernst Heßdörfer und unterstützt von ihrem Team arbeitet sie mit Hochdruck am nächsten großen BFW-Online-Projekt. Damit die 240 BFW-Teilnehmer ihre erworbenen Kenntnisse in praxisnahen virtuellen Lernunternehmen besser anwenden können, programmiert die 54-Jährige individuelle Lösungen für einzelne Berufssparten des BFW. Doch zwischendurch ist sie sicher wieder online, um mit ihren eLearnern zu kommunizieren.

Mehr Informationen zur barrierefreien eLearning-Plattform BFW online finden Sie unter www.bfw-online.de



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