Sprungnavigation
Von hier aus können Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Herzlich willkommen im Berufsförderungswerk Würzburg

Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

"Apps" helfen Blinden im Alltag
Cem Tören nutzt ein Smartphone mit Touchscreen - und ist blind
www.br-online.de

Ein sehbehinderter junger Karlstädter setzt sein Handy zur Orientierung ein. Der einundzwanzig Jährige Cem Tören ist fast blind und hat nur noch fünf Prozent Sehkraft. Seinen Weg ertastet er sich zwar mit dem Langstock. Doch zusätzlich helfen ihm "Apps" auf seinem Handy bei der Orientierung im Alltag.

Foto Cem Tören mit seinem Smartphone

Um sich das Leben trotz seiner Behinderung so angenehm wie möglich zu gestalten, experimentiert Cem Tören mit verschieden "Apps" für sein Handy. Er hatte herausgefunden, dass sein Mobiltelefon ihm noch viel mehr bieten kann als nur das Telefonieren.

Anfangs musste Cem Tören zwar lernen, sich mit Sprachfunktion und spezieller Bedienung auf dem Touch-Screen zu Recht zu finden. Mittlerweile ist er aber darin fit und hat viele "Apps" entdeckt, die ihm bei der Orientierung helfen. Die Mitarbeiter im Berufsförderungswerk, wie Marcus Meier, bewundern ihn für seinen Engagement. Zusammen mit anderen Sehbehinderten feilt er ständig an der Verbesserung der oftmals kostenlosen Programme, die sein Handy bietet.

Mehr Selbstständigkeit mit dem Handy

Inzwischen kann er sich mit Hilfe der eingebauten Kamera Briefe vorlesen lassen und verschiedene Limonaden unterscheiden. Es gibt "Texterkennungs-Apps", mit denen er sich Briefe vorlesen lassen kann, "Farberkennungs-Apps" mit denen er sich morgens seine Kleidung zusammenstellen kann und es gibt sogar ein App, das ihm sagt ob es draußen hell oder dunkel ist oder wie er zur nächsten Bushaltestelle kommt. Diese Programme fürs Handy gibt es inzwischen für alle gängigen Smartphones.

Vorschläge an die Entwickler

Als Nutzer mit speziellen Anforderungen macht er Apple Verbesserungsvorschläge und hat sogar schon die Entwickler direkt angeschrieben. Diese dürften froh sein, wenn sie direkte Nutzungsempfehlungen von Betroffenen bekommen. Aus der Sicht eines Sehenden ist es sicher schwieriger gute Programme zu entwickeln oder zu verfeinern, die einem sehbehinderten Menschen den Alltag erleichtern. Durch die Sprachfunktion der Geräte ist hier sicher noch viel möglich.

Behinderung kann jeden treffen

Wenn das Sehvermögen nachlässt, ist nicht immer das Alter der Auslöser. Es ist gerade mal 3 Jahre her, da brauchte Cem Tören aus Karlstadt noch nicht einmal eine Brille. Inzwischen ist der blind. Der 21-Jährige leidet an Retinitis Pigmentosa - kurz RP. Die unheilbare Augenerkrankung ist nicht ansteckend, er hat sie von seinem Vater geerbt. Auch der wurde sehend geboren und ist seit seinem 22. Geburtstag blind. Entdeckt wurde seine Krankheit während der Sehprüfung für den Führerschein.

Die Zukunft besser gestalten für Blinde

Noch funktionieren all diese Programme nicht perfekt und einen Langstock oder einen Blindenhund werden sie wahrscheinlich auch in Zukunft nicht ganz ersetzen können. Doch gerade das Suchen nach Verbesserungen stellt eine große Motivation für den 21-Jährigen dar um mit seinem Schicksal klar zu kommen. Vielleicht können seine Erfahrungen auch den anderen rund 6.000 Sehbehinderten und Blinden in Unterfranken bald helfen.



zurück zur Übersicht Pressemeldungen