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Pressemeldungen

Berichte aus dem BFW Würzburg

Ohne Bildbeschreibung wird es für blinde Menschen schwer
BFW-Teilnehmer Robert Thumbeck geht online und macht den Barrierefreiheit-Wahlcheck
MAIN-POST 2014-03-12

Der Wahlkampf findet nicht nur auf unzähligen Plakaten statt, sondern auch im Internet. Mittlerweile gehört ein papierloser Auftritt im World Wide Web einfach dazu. Gerade für blinde und sehbehinderte Bürger ist das Internet eine wichtige Informationsquelle, auf die sie mit technischen Hilfsmitteln zugreifen können – vorausgesetzt, bei den Webseiten werden ein paar Grundsätze befolgt.

Foto Robert Thumbeck

Wenn Robert Thumbeck seinen Computer hochfährt, bleibt der Bildschirm dunkel. Der 31-Jährige ist nahezu blind und bildet sich im Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg, einem Bildungszentrum für sehbehinderte Menschen, zurzeit zum Fachinformatiker fort. Bei der Arbeit am Rechner ertastet er alle Inhalte in Punktschrift und nutzt die Braillezeile. Die für blinde Nutzer konzipierte Braillezeile übersetzt für ihn Word-Dateien, Excel-Tabellen oder E-Mails in Punktschrift. Im Vorfeld der Kommunalwahl machte er den etwas anderen Wahlcheck: Er überprüfte, unterstützt von seinem IT-Lehrer Enrico Göbel, die Webseiten der Parteien und Kandidaten auf ihre blindheitsgemäße Barrierefreiheit.

Luft nach oben haben die getesteten Homepages vor allem bei den Beschreibungen von grafischen Elementen, die auf der Braillezeile nur als Text angezeigt werden können. „Auf fast allen Webseiten sind die Alternativtexte zu den Fotos nicht sehr aussagekräftig oder fehlen ganz“, stellte Robert Thumbeck fest. „Damit lassen sich die Motive und die darauf abgebildeten Personen für einen blinden Nutzer nur schwer erschließen.“ Ideal sei für ihn dagegen, wenn die Bildbeschreibung statt „0815.jpg“ eine klare Information wie „Foto von Kandidat Peter Muster mit Ehefrau Karin“ beinhaltet.

„Vor allem bei den Homepages der kleineren Parteien habe ich mich schwergetan“, sagte Thumbeck. Die dortige Menüstruktur sei für ihn zum Teil kompliziert und schwer greifbar. „Mir war nicht immer klar, ob ich mich in einem Unter- oder Überpunkt des Menüs befinde.“

Während Sehbehinderte eher auf klare Farbgestaltung, ausreichende Kontraste und einen übersichtlichen Aufbau einer Webseite angewiesen sind, brauchen blinde Anwender, die mit einer Sprachausgabe oder einem Bildschirmleseprogramm arbeiten, laut Thumbeck vor allem Alternativtexte zu grafischen Elementen, richtig definierte Überschriften, die die Struktur der Seite erkennen lassen und aussagekräftige Links.

Auch die Internetauftritte der Würzburger Oberbürgermeister-Kandidaten hat der 31-Jährige getestet.

Dabei ist ihm aufgefallen, wer textlastig ist macht es ihm leichter. Zum Beispiel der Internetauftritt von Muchtar Al Ghusain: Dieser kommt ohne viele dynamische Elemente aus. Der Seitenaufbau sei einheitlich und die Navigation so problemlos möglich, sagt Thumbeck. Der Schwerpunkt der Seite liege auf Texten – was für Sehbehinderte und Blinde leichter zu verstehen ist.

OB-Kandidat Wolfgang Baumann von der Liste „Zukunft für Würzburg“ (ZfW) hat seine Startseite als Blog angelegt, Nachrichten und Informationen rund um den ZfW-Wahlkampf sind dort zeitliche sortiert zu lesen. Für den sehbehinderten Robert Thumbeck war die Seite erst etwas unübersichtlich, doch nach kurzer Zeit kam er mit ihr doch zurecht, denn auch Baumanns Seite ist textlastig, Bilder sind eher die Ausnahme.

Christian Schuchardt, den OB-Kandidat für CSU, FDP und die Würzburger Liste, zeigt sein Wahlprogramm auf der Webseite mit vielen Bildern und hinter jedem Bild steckt ein Thema. Beim Klick auf ein Bild schiebt sich darüber ein kurzer Text. Den aber zu finden, fällt Braillezeilennutzer wie Thumbeck schwer.



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